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08.01.2024 12:54 Alter: 158 days
Kategorie: News DJJV, Breitensport, News Länder, Niedersachsen BreitensportNiedersachsen

Ju-Jutsu Bundeslehrgang in Laatzen / Grasdorf


Nach langer Zeit hatte der VfL-Grasdorf einen alten Bekannten zu Gast: Andreas „Anton“ Wogenstein. Das Thema war: „Selbstverteidigung und Wettkampf – ein Widerspruch?“ Aus den vielen Aspekten, die zum Thema Kämpfen gehören hat sich Anton das Thema „Abstand“ herausgesucht und in den Mittelpunkt des Lehrgangs gestellt. Nach der Vorstellung von Anton (Trainer-B, Dritter der Fighting WM 1998, aktiver Kämpfer bei Polizeimeisterschaften und langjähriger Referent u.a. auf dem Polizeibundesseminar) ging es beim Aufwärmen schon gleich zur Sache mit dem Abstand. Es gibt viele kleine Spiele und Bewegungsaufgaben, die genau das Ziel haben, die Wahrnehmung von Abstand zu anderen Menschen zu trainieren. Zusätzlich trainieren diese Aufgaben auch die Wahrnehmung von den Dingen um einen herum, auf der Matte ist das insbesondere die Frage, wo sich noch Menschen befinden und was sie gerade machen. Weil unter den Teilnehmenden so gut wie keine im Wettkampf aktiven Ju-Jutsuka waren, hat sich der Schwerpunkt des Lehrgangs mehr auf den Selbstverteidigungsteil gelegt. Die Frage war, wie man den Abstand zu einem potentiellen Gegner hält und was man tut, wenn der Abstand unterschritten wird und sich daraus möglicherweise eine gefährliche Situation ergibt. Eine mögliche Reaktion auf eine aufdringliche Person ist, rechtzeitig seitlich am Gegenüber vorbei zu gehen, wobei der eigene Arm den Abstand bestimmt und sich mit freundlichen, aber bestimmten Worten aus der Situation zu verabschieden, z.B. „Tut mir leid, ich habe leider keine Zeit, mach’s gut!“ Das Ziel ist es dabei, nicht auf die aggressive Absicht des Gegenübers einzugehen und ihn auf diese Weise mit einer unerwarteten Reaktion aus seinem eigenen Film herauszuholen. Dabei geht man von der Annahme aus, dass der Aggressor mit einer entweder aggressiven Antwort oder mit Kleinbeigeben gerechnet hat, nicht aber mit einer selbstbewussten aber dennoch freundlichen Reaktion. Natürlich ist diese Methode nicht für jeden geeignet und natürlich ist das keine Garantie, dass die Situation nicht eskaliert, aber man hat den Abstand gewahrt und sich vor allem etwas Zeit verschafft, um sich auf einen folgenden Angriff vorzubereiten. Wenn es dann zu einer ernsten körperlichen Konfrontation kommt, hat Anton immer wieder auf das, natürlich im Wettkampftraining immer wieder trainierte, Prinzip des Ebenenwechsels hingewiesen und es uns auch fleißig üben lassen. Es geht dabei darum, einen Gegner durch den permanenten Wechsel der Angriffsebene (Oben, Unten, Mitte, Innen, Außen) mit Reizen zu überfluten, um so eine Lücke in der Deckung finden und den Kampf beenden zu können. Wir haben dann noch versucht, die Methode der freundlichen Konfliktvermeidung auf eine Konfrontation mit zwei potentiellen Gegnern anzuwenden. Dafür hat Anton zwei Richtlinien ausgegeben: Nie zwischen die beiden Personen treten und das Alphatier immer zuerst angehen. Sind Wettkampf und Selbstverteidigung nun ein Widerspruch? Kann das Wettkampftraining zur Selbstverteidigung beitragen? Das Fazit ist gemischt, weil Wettkampf- und SV-Situationen sehr verschieden sind, z.B. Regeln / keine Regeln, bekannte Situation / unbekannte Situation, ein Gegner / ggf. mehrere Gegner. Aber was das Erkennen und Halten von Abstand, bzw. die Reaktion auf das Unterschreiten des Abstandes angeht, also das Umschalten von Defensive auf Offensive, da ist Wettkampftraining sicher eine gute Ergänzung. Wichtig ist vor allem, dass man sich der Unterschiede zwischen Wettkampf- und SV-Situationen bewusst ist und dass das eine nicht das andere ersetzt. Lieber Anton, aus Gastgebersicht hat der Lehrgang viel Spaß gemacht, danke, dass Du nach 10 Jahren Pause mal wieder bei uns warst!

Christoph Minkwitz, VfL Grasdorf
Anlage:
Bild: BLG_Grasdorf_231111.jpg
Andreas Wogenstein dritter von rechts vorn


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